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INFOS TATTOONADELN

Allgemeines zu Tätowiernadeln:

Bei den ersten in Europa verwendeten Tattoonadeln hat es sich um ganz gewöhnliche Nähnadeln gehandelt. Später wurden dann auch Insektennadeln verwendet, die durch ihren sehr langen und geraden Schliff besonders geeignet waren. Mit steigenden Absatzmengen wurden dann auch sogenannte kopflose Nadeln für Tätowierer hergestellt. Zu den Pionieren für Tätowiernadeln in Europa gehörten die Firma Entaco aus England und die Emil Arlt Spezialnadelfabrik in Wien. Die Firma Entaco besteht heute noch in England und die Produktion der bekannten Elephanten Nadeln der Firma Arlt wurde im Jahr 2002 durch die scarabeus needlefactory in Deutschland übernommen.  

Bis zum Jahr 2000 war es üblich, dass Tätowierer lose Nadeln kauften und sich selbst die Nadelgruppen löteten. Zwischenzeitlich werden fast nur noch fertig gelötete und sterilisierte Nadeln benutzt. Über 90% aller Nadeln werden zwischenzeitlich in Asien gefertigt. Die Qualität der asiatischen Nadeln ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen und erreicht ein hohes Niveau. Die besten Nadeln werden jedoch nach wie vor in Europa gefertigt, da hier noch die alten Präzisionsmaschinen aus der Hochzeit der Nadelproduktion stehen. Um sehr anspruchsvollen Tätowierern ebenfalls hochwertige, fertig gelötete Nadeln anbieten zu können, werden zum Beispiel die deutschen scarabeus Nadeln zum Löten nach China geschickt und kommen als fertig gelötete, sterile Nadeln zurück nach Deutschland.

Für die Qualität einer Nadel gibt es zahlreiche Kriterien:

Das Material:
Heute wird fast nur noch rostfreier Edelstahl benutzt, vereinzelt gibt es aber auch noch Nadeln aus rostendem Karbonstahl. In der unten stehenden Tabelle sind die überwiegend genutzten Stähle aufgelistet.

EN-Nummer

AISI/ASTM Bezeichnung

Vickers Härte

Zusammensetzung

1.4301

304

149

X5CrNi18-10

1.4310

302

217

X10CrNi18-8

1.4401

316

149

X5CrNiMo17-12-2

1.4404

316L

146

X2CrNiMo17-12-2

Am besten eignet sich der 1.4310 Stahl, da er die Größte Härte aufweist. Durch die deutlich höhere Härte ist die Abnutzung der Nadelspitze deutlich geringer und die Nadel verbraucht sich nicht so schnell. Ein weiterer Vorteil ist, dass der Nickelanteil niedriger ist als bei den anderen Stählen. Technisch ist es nicht möglich nickelfreie Nadeln herzustellen.

Aufgrund der hohen Härte ist 1.4310 Edelstahl nur sehr schwer zu schleifen und benötigt hierzu spezielle Maschinen. Aus diesem Grund sind solche Nadeln auch deutlich teurer als andere. Asiatische Nadeln werden darum mit weicherem Stahl hergestellt.

Der Schliff:
Man unterscheidet zwei Schliffformen, den Dreiecksschliff und den Rundschliff.

Nadeln mit Dreiecksschliff werden auch als scharfe Nadeln bezeichnet. Beim Rundschliff spricht man von runden Nadeln oder dem Bullet-Schliff.

Die Nadeln unterscheiden sich in der Art, wie sie in die Haut eindringen. In der Chirurgie spricht man davon, dass Nadeln mit Dreiecksschliff die Haut durchschneiden, Nadeln mit Rundschliff hingegen diese durchdringen.

Dreiecksnadeln dringen somit praktisch ohne Wiederstand in die Haut ein und können auch derbes Gewebe wie zum Beispiel Narben oder Lippen leicht durchdringen. Für den Kunden ist eine Nadel mit Dreiecksschliff weniger schmerzhaft als eine Nadel mit Rundschliff. Das entstehende Loch verjüngt sich nach unten, sieht also ähnlich aus wie die Nadelspitze selbst.

Rundnadeln weisen einen höheren Eindringungswiderstand auf, die Haut wird zuerst etwas niedergedrückt und erst dann dringt die Nadel durch die Haut ein. Für den Kunden ist dies etwas schmerzhafter, das entstehende Loch ist relativ groß und verjüngt sich nach unten kaum.

Grundsätzlich sind beide Schliffarten zum Tätowieren geeignet, jedoch hat jede ihren optimalen Einsatzbereich der im wesentlichen von der Farbe abhängt. Für flüssige Farben mit fein dispergiertem Pigment und schwarz lässt sich am besten eine Nadel mit Dreiecksschliff einsetzen, pastöse Farben und Farben mit grobem Pigment verwendet man in der Regel Nadeln mit Rundschliff.

Die Schlifflänge:
Bei der Schlifflänge wird von Shorttaper, Standardtaper und Longtaper gesprochen. Da diese Begriffe jedoch nicht fest definiert sind, werden sie vollkommen willkürlich benutzt.

Eine falsche Definition, die jedoch sehr verbreitet ist besagt, dass der Schliff einer Longtaper Nadel so lange ist, dass die Spitze nicht vollständig in die Haut eindringt. Da aber unsere Haut je nach Körperstelle unterschiedlich dick ist und die Nadel sowohl senkrecht als auch schräg zur Hautoberfläche eindringen kann, ist dies Unfug.

Ein Vergleich zahlreicher Nadeln verschiedener Hersteller und deren Bezeichnung führt zu dem nachfolgenden Vorschlag einer einheitlichen Definition:

Bezeichnung

Schlifflänge

Shorttaper

0 – 2 mm

Standardtaper

2 – 3 mm

Longtaper / extra Longtaper

3 – 6 mm

Die Schlifflänge ist als zweiter Faktor mit entscheidend für die Geometrie des entstehenden Lochs in der Haut. Ein langer Schliff bedeutet ein engeres Loch, ein kurzer Schliff hingegen ein weiteres Loch.

Für Liner Nadelgruppen sind Shorttaper Nadeln wenig geeignet, ansonsten können grundsätzlich alle Nadeln benutzt werden. Die Wahl der Schlifflänge sollte primär von der eingesetzten Farbe abhängig gemacht werden. Für pastöse Farben und solche mit grobem Pigment eignen sich Nadeln mit kurzem Schliff generell besser als Longtaper Nadeln. Bei flüssigeren und fein dispergierten Farben ist oftmals ein längerer Schliff besser.

Der Einfluss der Schlifflänge wird durch gezieltes Marketing verschiedener Anbieter derzeit überbewertet, die Geometrie der Nadel und das Material haben einen deutlich höheren Einfluss auf das Ergebnis der Tätowierung.

Die Oberfläche:
Sie ist der entscheidende Faktor für die Anhaftung der Farbe an der Nadel.

In der Regel werden Nadeln mit poliertem Draht gefertigt und kommen mit einer glatten Oberfläche in den Handel. Einige Hersteller bieten auch extra polierte Nadeln an. Bei diesen Nadeln schließt sich an den Schleifprozess noch eine Elektropolitur an. Die Oberfläche dieser Nadeln ist dann extrem glatt.

Eine Besonderheit sind texturierte Nadeln. Hier wird die Nadeloberfläche mikrofein aufgeraut und teilweise feinste Riefen erzeugt. Diese Technik ist sehr aufwendig und wird nur von ganz wenigen Firmen wie zum Beispiel der scarabeus needlefactory beherrscht. Die Kunst besteht darin, die Oberfläche so zu behandeln, dass die Farbe optimal an der Nadel anhaftet, beim Tätowieren aber dennoch gut fließt.

Extra polierte Nadeln konnten sich in der Vergangenheit nicht durchsetzen, da die Farbe beim Eindringen in die Haut leicht abgestreift wird und somit nur schwer in die Haut kommt. Am besten eignen sich texturierte Nadeln zum Tätowieren, da hier die Farbe optimal in die Haut kommt.

Die Präzision:
Unabhängig von der Schliffform und der Schlifflänge muss die Nadelspitze von allen Seiten gleichmäßig geschliffen werden und absolut zentriert sein. Nur mit wirklich guten Nadeln kann eine optimale Nadelgruppe gelötet werden, die die Farbe gleichmäßig in die Haut bringen.

Die Spitze der Nadel ist sehr empfindlich und insbesondere Nadeln mit weichem Edelstahl werden beim Löten leicht beschädigt. Die Nadelspitze kann stumpf werden oder es können sich sogar Haken bilden. Dies führt dann dazu, dass die Haut beim Tätowieren massiv zerstört wird, die Tätowierung schlecht abheilt, die Farbe abgestoßen wird und sich unter Umständen Narbengewebe bildet.

Trotz intensiver Kontrolle kann es aber immer wieder einmal vorkommen, dass eine fertig gelötete Nadel mit Fehlern nicht aussortiert wird. Aus diesem Grund sollte jede Nadel vor dem Tätowieren nochmals mit einer Lupe auf Fehler geprüft werden.

Der Durchmesser:
Tätowiernadeln werden überwiegend in vier Stärken angeboten: 0,25 mm, 0,30 mm, 0,35 mm und 0,40 mm.

Die Nadeln der Stärke 0,30 mm und 0,35 mm sind die am häufigsten verwendeten. Oft werden 0,30 mm Nadeln für Linien benutzt und 0,35 mm Nadeln zum Schattieren und Füllen. Zum Ausfüllen von schwarzen Tribals wird von zahlreichen Tätowierern Nadeln mit 0,40 mm Stärke benutzt. Fineline Spezialisten benutzten dagegen überwiegend 0,25 mm Nadeln für ihre Tätowierungen.

Die unten stehende Tabelle kann als Orientierung dienen, welche Nadelstärke wofür eingesetzt werden kann. Letztlich muss aber jeder Tätowierer für sich selbst seine optimale Nadelstärke durch ständiges Probieren ermitteln.

 

Stil

0,25 mm

0,30 mm

0,35 mm

0,40 mm

Tribals / Keltisches - Linien

 

++

+

 

Tribals / Keltisches – Füllen

 

+

++

++

Tribals / Keltisches – Schattieren

+

++

+

 

Biomechanisches - Linien

+

++

+

 

Biomechanisches – Füllen

++

++

+

 

Biomechanisches - Schattieren

++

++

+

 

Orientalisch / Asiatisch - Linien

 

++

++

 

Orientalisch / Asiatisch - Füllen

 

+

++

++

Orientalisch / Asiatisch - Schattieren

+

++

+

 

Fantasy - Linien

+

++

+

 

Fantasy – Füllen

 

++

++

+

Fantasy – Schattieren

++

+

+

 

Flora und Fauna - Linien

++

+

+

 

Flora und Fauna - Füllen

+

++

+

 

Flora und Fauna - Schattieren

+

++

+

 

Comic - Linien

+

++

++

 

Comic - Füllen

 

+

++

+

Comic - Schattieren

+

++

+

 

Pinup - Linien

+

++

+

 

Pinup - Füllen

 

+

++

+

Pinup - Schattieren

+

++

+

 

Oldschool - Linien

+

++

++

 

Oldschool - Füllen

 

+

++

+

Oldschool - Schattieren

+

++

+

 

Newschool - Linien

+

++

+

 

Newschool - Füllen

 

++

++

+

Newschool - Schattieren

+

++

+

 

Portraits - Linien

++

+

 

 

Portraits - Füllen

++

+

 

 

Portraits - Schattieren

++

+

 

 

Permanent Make-up - Linien

++

+

 

 

Permanent Make-up - Füllen

++

+

 

 

+        geeignet
++      besonders geeignet

Neben der Nadel selbst, spielt auch die Art und Weise wie eine Nadelgruppe gelötet wird eine wichtige Rolle. Wir haben für euch die am meisten gebräuchlichsten Nadelgruppen zur Information zusammengestellt:

Rundnadeln / ROUND-SHADER:
Hier werden die Nadeln zu runden Bündeln gruppiert und dann vom oberen Ende her zusammen gelötet. Von der Spitze bis zum Beginn des Lötzinns sind es ca. 10 - 14 mm. Die Nadeln verlaufen gerade und in den Lücken kann durch den Kapillareffekt viel Farbe aufgenommen werden. Diese Nadeln werden zum Füllen und Schattieren benutzt.

Gebräuchlich sind diese Nadelgruppen mit 3 bis 20 Nadeln in allen Nadelstärken. Die Nadelgruppe selbst wird beim Tätowieren senkrecht zur Haut geführt.

Rundnadeln können mit allen Farben benutzt werden, eignen sich jedoch besonders für traditionelle pastöse Tätowierfarben und Farben mit grobem Pigment.

Linien-Nadeln / ROUND-LINER:
Diese Nadeln sind speziell zum Linien ziehen. Es sind Rundnadeln, die vorne an der Spitze konisch (spitz) zulaufen. Dies wird dadurch erreicht, dass die Spitzen leicht zusammengequetscht werden und dann bis fast an die Spitze zugelötet werden. Von der Spitze bis zum Beginn der Lötung sind es nur 3 - 5 mm.  

Gebräuchlich sind diese Nadelgruppen mit 3 bis 20 Nadeln in den Nadelstärken 0,25 mm / 0,30 mm/ 0,35 mm. Die Nadelgruppe selbst wird beim Tätowieren senkrecht zur Haut geführt.

Linernadeln sind zum Füllen und Schattieren ungeeignet. Durch den weit vorne liegenden Lötpunkt und das Zusammenfassen der Nadeln kann nur mit sehr flüssiger Farbe gearbeitet werden. Die Liner Nadel kann auch ohne Farbe zum ziehen von sogenannten Blutlinien benutzt werden. Diese dienen bei Freihandtätowierungen während der Sitzung der Orientierung des Tätowierers.

Flachnadel / FLAT:
Als Flachnadeln werden solche Nadelgruppen bezeichnet, bei denen die einzelnen Nadeln parallel nebeneinander liegen. Bei Flachnadeln werden die letzten 8 – 14 mm bis zur Spitze nicht zusammen gelötet.

Die meisten Flachnadeln haben zwischen 4 und 15 Nadeln und werden in allen Stärken benutzt.

Diese Nadeln werden überwiegend zum Ausfüllen verwendet. Der Vorteil ist, dass man beim Tätowieren besser in fein verlaufende Spitzen kommt. Flachnadeln können mit allen Farbtypen benutzt werden.

Magnumnadel / MAGNUM:
Bei den Magnum Nadeln handelt es sich um gespreizte Flachnadeln, dies bedeutet, dass die Nadeln an der Spitze zwei Reihen bilden, eine ungerade Zahl in der unteren Reihe und eine gerade Zahl in der oberen Reihe. Der Lötpunkt beginnt meist 10 – 12 mm von der Nadelspitze entfernt.

Übliche Größen für Magnum Nadeln sind 5 – 15 Nadeln, es gibt jedoch auch wesentlich größere mit bis zu 39 und 45 Nadeln. Magnum Nadeln werden in allen Nadelstärken angeboten.

Sie werden überwiegend zum Füllen und Schattieren benutzt. Mit Magnum-Nadeln wird schräg zur Haut gearbeitet, somit wird die Nadel und die Farbpigmente schräg in die Epidermis gesetzt. Der Vorteil ist das die Pigmente sich besser in der Haut verteilen. Magnum Nadeln sind optimal mit flüssigeren Farben und fein dispergiertem Pigment zu benutzen.

Offene Magnumnadel / OPEN MAGNUM:
als Open Magnum werden Magnum-Nadeln bezeichnet, die stark gespreizt sind und die weiter nach vorne gelötet werden. Der Lötpunkt ist meist 8 – 10 mm von der Spitze entfernt.

Open Magnum werden normalerweise mit 5 – 15 Nadeln angeboten, größere Nadelpakete werden kaum verwendet. Sie sind in allen Nadelstärken im Einsatz.

Diese Nadeln werden überwiegend zum Füllen benutzt, sie können aber auch zum Schattieren eingesetzt werden. Wie mit den normalen Magnum-Nadeln wird schräg zur Haut gearbeitet.

Durch das starke Spreizen dieser Nadeln wird viel Farbe aufgenommen und transportiert. Gerade pastöse Farbe und solche mit grobem Pigment werden optimal in die Epidermis transportiert und es gibt einen sehr deckenden Gesamteindruck.

Doppelmagnum / DOUBLE STACK MAGNUM:
Bei den Doppelmagnum handelt es sich um zwei versetzt übereinander gelötete Flachnadeln. Bei den Doppelmagnum befindet sich eine ungerade Anzahl Nadeln in der unteren Reihe und eine gerade Anzahl in der oberen Reihe. Der Lötpunkt liegt normalerweise zwischen 8 – 12 mm von der Nadelspitze.

Doppelmagnum gibt es von 5 – 39 Nadeln, gebräuchlich sind jedoch 9 – 17 Nadeln. Bei einer 9er Doppelmagnum benutzt man eine 5er Magnumspitze, da 5Nadeln in der unteren und 4 in der oberen Reihe sind. Eine 17er Doppelmagnum entspricht von der Breite einer 9er Magnum Nadel. Doppelmagnums gibt es in allen Nadelstärken.

Diese Nadeln werden speziell zum Füllen der Tattoos verwendet, können eingeschränkt aber auch zum Schattieren benutzt werden.

Rundmagnum / SOFT-EDGE MAGNUM:
Rundmagnum Nadeln sind Magnum Nadeln mit nach außen zurück gesetzten Nadeln. Dadurch befinden sich die Nadelspitze nicht wie bei einer Magnum in einer Reihe sondern die Front ist leicht abgerundet. Diese Nadeln bewirken, dass keine scharfen Kanten beim Schattieren entstehen und das Bild gleichmäßiger wird. Die Haut wird an den Rändern somit weniger verletzt als bei normalen Magnums.

Soft Edge Magnums gibt es in den gleichen Größen wie normale Magnums, jedoch werden überwiegend größere nadelgruppen benutzt, da hier die Vorteile gegenüber normalen Magnums deutlicher hervortreten. Sie werden in allen Nadelstärken angeboten und eingesetzt.

Soft-Edge Nadeln sind besonders geeignet für flüssigere Farben mit feinem Pigment, können aber auch mit traditionellen pastösen Farben verwendet werden.